ver.di-Studie „Leistungssteuerung und Arbeitsintensität. Eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit 2019 für den Dienstleistungssektor“

04.02.2021

Hohe Arbeitsintensität – Arbeitsstress – ist für viele Beschäftigte im Dienstleistungssektor nicht erst seit Corona Realität. Als eine Ursache hierfür gelten neue Steuerungsmodelle, bei denen Verantwortung für das Erreichen der geforderten Leistungen an Beschäftigte delegiert wird – oft aber, ohne sie mit den entsprechenden Ressourcen und Handlungsspielräumen auszustatten.

Die ver.di-Studie „Leistungssteuerung und Arbeitsintensität im Dienstleistungssektor“ untersucht auf Grundlage des DGB Index Gute Arbeit 2019, wie die Arbeitsleistung in den Unternehmen gesteuert wird, welche Effekte die Leistungssteuerung auf die Intensität der Arbeit und welche Folgen die hohe Arbeitsintensität vor allem auf die Gesundheit der Beschäftigten hat. Betrachtet wird sowohl der Dienstleistungssektor insgesamt als auch die Situation in der Sozialarbeit bzw. Sozialpädagogik, bei wissenschaftlichem Personal in Hochschulen, im Versand- und Einzelhandel, der Informations- und Kommunikationstechnologie, den Finanzdienstleistungen sowie in der Alten- und Krankenpflege.

Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl die Anzahl der Steuerungsformen als auch die Art der Steuerung eine Rolle spielen:

  • Je mehr Steuerungsformen angewandt werden, desto höher ist die Arbeitsverdichtung und desto häufiger kommt es zum Beispiel vor, dass Beschäftigte ihre Arbeitsmenge nicht in der vorgesehenen Zeit bewältigen.
  • Die Art und Weise, wie Leistung gesteuert wird, kann sich negativ auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken. Beeinträchtigungen der Gesundheit sind insbesondere bei einer hohen Anzahl an Steuerungsformen sowie der Steuerung durch Ziele bzw. Ergebnisse zu konstatieren.
  • Indirekte Formen der Leistungssteuerung wie das Führen über Ziele und Ergebnisse führen potenziell zu einer höheren Arbeitsintensität. So berichten beispielsweise 60 Prozent der Beschäftigten, deren Leistung über Ziele bzw. Ergebnisse gesteuert wird, von (sehr) häufiger Arbeitshetze und Zeitdruck. Bei Beschäftigten, die dieser Form der Leistungssteuerung nicht unterliegen, ist der Anteil mit 44 Prozent deutlich geringer.

Zu hohe Leistungsanforderungen und hohe Arbeitsintensität können zum Verzicht auf Pausen oder zu Präsentismus (krank zur Arbeit gehen) führen und negative Auswirkungen auf die psychische wie physische Gesundheit haben. Die Ergebnisse zeigen:

  • Die Tendenz zur „Selbstgefährdung“ ist bei denjenigen Beschäftigten besonders groß, die sehr häufig oder oft ihre Arbeitsmenge nicht in der vorgesehenen Zeit schaffen, die von (sehr) häufiger Arbeitshetze und Zeitdruck berichten und für die es Folgen hätte, wenn sie die vorgesehene Arbeitsmenge nicht bewältigen.
  • Mehrarbeit zu Hause, unbezahlte Arbeit, die Verkürzung von Pausen oder der Verzicht auf Urlaubstage haben nachweislich einen negativen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der betroffenen Beschäftigten: Sie können häufiger auch in ihrer arbeitsfreien Zeit nicht richtig abschalten, sich nicht richtig erholen und sie fühlen sich nach der Arbeit eher leer und ausgebrannt.

Eine positive Ressource sind Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung der Arbeit, der Arbeitsmenge und der Arbeitszeit. Diese Ressource alleine reicht allerdings bei weitem nicht aus, um die Belastungen zu kompensieren, auch das zeigen die Ergebnisse deutlich.

Ansprechpartnerinnen:

  • Nadine Müller (nadine.mueller@verdi.de)
  • Astrid Schmidt (astrid.schmidt@verdi.de)

Die Studie kann als Print bestellt werden und steht hier zum Download als PDF bereit. Die Grafiken stehen ebenfalls zum Download bereit.