Dokumentation der ver.di-online-Tagung zum hybriden Arbeits- und Sozialraum am 26.06.2024

27.06.2024

Am 26. Juni 2024 fand die Online-Tagung „Der hybride Arbeits- und Sozialraum im Neuen Normal. Herausforderungen und Gestaltungsthemen aus gewerkschaftlicher Sicht“ mit circa 120 Teilnehmenden statt. Die Präsentationen der Impulsgeber*innen sowie das Programm stehen unten zum Download bereit.

Im Mittelpunkt der digitalen Tagung stand die Frage, welche Perspektiven und Aspekte bei der Arbeitsraumgestaltung im Zuge hybrider Arbeitskonzepte mitzudenken und in ihrem Zusammenspiel zu berücksichtigen sind. Dabei gilt es, den Arbeitsraum immer auch in seiner Funktion als Sozialraum wahrzunehmen. Zu zentralen Themenfeldern gab es Impulse aus praxisorientierter Wissenschaftsperspektive und aus betrieblicher Gestaltungspraxis.

Ins Thema eingeleitet hat Nick Kratzer (Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), der die Entwicklung des (Büro)-Arbeitsraums im Kontext der Arbeitswelttransformation als Geschichte von Rationalisierung, systemischer Überlastung und Räumen erzählte. Am Ende skizzierte er Bausteine eines möglichen (hybriden) Arbeitsplatzes der Zukunft, in dem das betriebliche Büro als „Hub and Home“ erster Ankerpunkt bleibt, zugleich aber durch andere Arbeitsorte, v.a. auch Homeoffice und Coworking ergänzt wird.

Einen ersten Blick aus der betrieblichen Praxis gab es von Gerd Leyener, GBR-Vorsitzender des IT-Dienstleisters Atruvia, die 2021 per Gesamtbetriebsvereinbarung „Activity Based Working“ die Rahmenbedingungen sowohl von mobiler Arbeit als auch der betrieblichen Raumnutzungskonzepte inklusive Desksharing geregelt hat. Vorgestellt wurden Konzept und Regelungsinhalte ebenso wie Umsetzung und Erfahrungen.

Die nächsten beiden Impulse fokussierten auf zwei sehr grundlegende Dimensionen – das Aufrechterhalten betrieblicher Sozialität und die Gewährleistung von Arbeits- und Gesundheitsschutz im Kontext der Veränderungen des Arbeitsraums. Guido Becke (Institut Arbeit und Wirtschaft der Uni Bremen) ging auf die Herausforderungen für die betriebliche Sozialordnung durch hybride Arbeitskonzepte ein und stellte sein aktuelles Forschungsvorhaben vor. Einerseits werden Veränderungen der betrieblichen Sozialordnungen durch digital gerahmte hybride Arbeitskonzepte untersucht, andererseits soll ermittelt werden, unter welchen Voraussetzungen sich hybride Arbeitskonzepte im Betrieb sozialintegrativ gestalten lassen. Katrin Willnecker (ver.di Referat Arbeits- und Gesundheitsschutz) fächerte die vielfältigen Herausforderungen für eine gesundheitsförderliche Gestaltung hybrider Arbeit auf. Besonderen Fokus legte sie u.a. auf die Gestaltung von mobiler Arbeit bzw. Homeoffice und Desksharing.

Zum Abschluss der Impulsphase gab es einen zweiten Blick aus der betrieblichen Praxis von Kerstin Marx, KBR-Vorsitzende der Telekom. Sie stellt „Magenta Office“ vor, das u.a. erweiterte Formen der Immobiliennutzung beinhaltet. Um Möglichkeiten eines „wohnortnahen Arbeitens“ und auch die Ortssouveränität zu verbessern, wurden in 125 größeren Telekom-Standorten Arbeitsplätze eingerichtet, die bundesweit von allen Beschäftigten gebucht werden können. So können die teils sehr langen Anfahrtswege zur eigentlichen Regelarbeitsstätte in vielen Fällen deutlich reduziert werden.

Eine Möglichkeit für den gemeinsamen Austausch gab es am Ende in drei virtuellen Arbeitsgruppen, in denen Erfahrungen zu den Themenschwerpunkten Arbeits- und Gesundheitsschutz, betriebliche Sozialität und (neue) Raumkonzepte ausgetauscht wurden.