Crowdwork

„Gewerkschaften – Crowdworker – Solo-Selbstständige“. Veranstaltungsdokumentation.

„Gewerkschaften – Crowdworker – Solo-Selbstständige“. Veranstaltungsdokumentation.

Dokumentation der sicht.weisen-Veranstaltung vom 16.05.2017

Rund 50 Teilnehmer/innen diskutierten auf der sicht.weisen-Veranstaltung „ Gewerkschaften – Crowdworker – Solo-Selbstständige. Herausforderungen und Erwartungen von solo-selbstständigen ver.di-Mitgliedern“ die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung. 2016 hatte ver.di im Rahmen des Projekts Cloud und Crowd Mitglieder über ihre Erfahrungen mit selbstständiger Arbeit befragt. Wir wollten wissen, vor welchen Herausforderungen sie stehen, welche Erwartungen sie an ihre Gewerkschaft stellen und welche Bedeutung für sie die Arbeit auf Crowdwork-Plattformen hat. An der Veranstaltung nahmen Veronika Mirschel (Leiterin des Referats Selbstständige), Sarah Bormann (Innovation und Gute Arbeit) und Prof. Dr. Hans Pongratz teil.

Der Münchner Arbeitssoziologe hat die Umfrage gemeinsam mit ver.di durchgeführt und auf der Veranstaltung die Ergebnisse präsentiert. Die Umfrage zeigt, dass die Lage vieler selbstständiger Mitglieder prekär ist. Sie wünschen sich, dass sich ver.di noch stärker um die Interessen von Solo-Selbstständigen kümmert. ver.di solle sich für eine Verbesserung der sozialen Sicherung und der Einkommenssituation einsetzen. Zudem müsse die interne Akzeptanz noch verbessert werden.

Die Erwartungen jener Mitglieder, die auch auf Plattformen arbeiten, unterscheiden sich nicht wesentlich. Dies liegt daran, dass Crowdwork für einen Großteil nur einen Zuverdienst darstellt und die monatlichen Beträge sehr gering sind. Die Befragten kritisieren die hohe Konkurrenz und unbezahlte Arbeit. Insgesamt ist die Zufriedenheit mit der Arbeit auf Plattformen relativ gering.

Abschließend stellt Pongratz drei Thesen über die Relevanz von Crowdwork für die zukünftige Entwicklung von Erwerbsarbeit auf. Aufgrund der dreigeteilten Governance-Struktur zwischen Auftraggeber, Plattform und Auftragnehmer kommt es zu einer Diffusion von Verantwortung für Arbeits- und Erwerbsbedingungen. Zweitens besteht mit der Taylorisierung wissensintensiver Arbeit auch die Gefahr einer Deprofessionalisierung. Drittens problematisiert er den Trend einer Erwerbshybridisierung, was zu einer Abkopplung der Erwerbsarbeit vom System sozialer Sicherung führen kann.