Interaktionsarbeit

Dokumentation der Tagung "Arbeiten mit Menschen – Interaktionsarbeit …

Dokumentation der Tagung "Arbeiten mit Menschen – Interaktionsarbeit humanisieren"

Zur zweiten Veranstaltung der ver.di-Reihe „Arbeiten mit Menschen – Interaktionsarbeit humanisieren“ trafen sich ca. 80 TeilnehmerInnen aus Betrieben und Verwaltungen, Wissenschaft, Beratung und Politik am 15.09.2017 in Berlin, um

  • über betriebliche Gestaltungsansätze,
  • über politische sowie betriebliche Handlungsfelder und
  • zu Forschungsmöglichkeiten insbesondere auf Basis der neuen Ausschreibung des BMBF zu „Arbeit an und mit Menschen“ zu beraten.

Ein zentrales Ziel von ver.di ist es, die Arbeit mit Menschen gut zu gestalten – zusammen mit den Erwerbstätigen. Die Arbeit mit KundInnen, PatientInnen und KlientInnen (=Interaktionsarbeit) und deren Besonderheiten steht bisher kaum im Fokus. Darauf will ver.di nicht zuletzt auch mit dieser Veranstaltungsreihe aufmerksam machen.
Im ersten Teil der Veranstaltung ging es um gute Gestaltungsansätze für Interaktionsarbeit in der betrieblichen Praxis. Durch Vorträge, in Kommentaren und in den Diskussionen wurde deutlich formuliert, dass sich Interaktionsarbeit durch spezifische Anforderungen und Tätigkeiten auszeichnet, die nun deutlicher benannt und stärker berücksichtigt werden müssen.

Die vielen Anregungen und Impulse wurden dabei vor allem zu folgenden Handlungsfeldern gegeben:

Arbeitszeit:

In der Arbeit mit Menschen werden bisher viele Aufgaben, Anforderungen und Tätigkeiten als selbstverständlich und als nebenher zu erledigend angesehen. Zu diesen Anforderungen gehört z.B. Aufbau von Kooperationsbeziehungen, der Umgang mit Unwägbarkeiten - Grenzen von Planung bei der Arbeit mit KundInnen, der Umgang mit eigenen Emotionen und den Gefühlen von KundInnen, PatientInnen. Allerdings schlagen sich diese Anforderungen kaum in den zu planenden (Arbeits-)zeiten nieder, die z.B. zum Aufbau einer Kooperation zum Kunden / PatientIn notwendig ist. Somit finden sie bisher leider auch nicht Eingang in die Personalplanungen oder Entgeltstrukturen.

Arbeits- und Gesundheitsschutz:

Ähnlich verhält es sich beim Handlungsfeld des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Allerdings gibt es hier bereits sinnvolle Ansätze, um Interaktionsarbeit besser und vor allem menschengerechter gestalten zu können. Eine wichtige Rolle spielt dabei die betriebliche Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung insbesondere zu psychischen Fehlbeanspruchungen, bei der die noch fehlenden Facetten bei Interaktionsarbeit ergänzt werden müssen.

In die Zukunft gesehen, muss es eine (politische) Fokussierung u.a. in der Arbeitsschutzstrategie auf Interaktionsarbeit geben, um das Thema für verschiedene Akteure in Aufsicht und in der Beratung weiter aufzubereiten. Die besonderen Fehlbeanspruchungen durch die Arbeit mit Menschen als KundInnen, PatientInnen etc. müssen hierdurch erkannt und vermieden werden.

Bei all dem wurde auch dargelegt, dass die bisherigen arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse für die spezifischen Tätigkeitsfelder bei Interaktionsarbeit weiterzuentwickeln und zu ergänzen sind, um spezifische Maßnahmen – wie z.B. Reflexions- und Rückzugsräume bei der Arbeit mit Menschen - in der Arbeitsgestaltung verstärkt umsetzen zu können. Spezielle Pausen – und Erholungskonzepte für InteraktionsarbeiterInnen dürfen dabei ebenfalls kein Tabuthema sein. Insgesamt wurde in der Diskussion auch deutlich, dass es in der betrieblichen Praxis insgesamt mehr an Freiräume und Ressourcen für die Beschäftigten bedarf, um diese Arbeit mit Menschen gut bewältigen und zugleich auch gesundheitliche Gefährdungen vermeiden zu können.

Weitere Handlungsfelder für gute Gestaltungsansätze bei Interaktionsarbeit wurden in der Diskussion angesprochen, wie z.B. das Thema Digitalisierung, „arbeitende Kunden“, Führung bei Interaktionsarbeit, Arbeitsplanung sowie Qualifizierungskonzepte wie Geschlechterrollen bei der Arbeit mit Menschen. Viele Schnittstellen und Notwendigkeiten wurden bei all diesen Handlungsfeldern zu Forschung aufgezeigt.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde die neue Förderbekanntmachung „Zukunft der Arbeit: Arbeit an und mit Menschen“ durch Herrn Bode vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgestellt. Er ist für das Rahmenprogramm “Produktion, Dienstleistungen, Arbeit“ verantwortlich. Das Erscheinen der Bekanntmachung ist auch seiner Unterstützung zu verdanken. Für die Ausschreibung hat sich ver.di nicht nur eingesetzt, sondern zusammen mit den anderen Sozialpartnern im Beraterkreis aktiv daran mitgearbeitet. Ver.di freut sich darauf, das Thema zusammen mit dem BMBF und dem Projektträger sowie mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden in Projekte umzusetzen.

Dazu wurden Themen und Bedarfe für Projekte diskutiert. Ver.di konnte aufgrund ihrer Arbeitsberichterstattung bereits drei Problembereiche identifizieren: Arbeitsintensität, psychische und emotionale Belastungen.

Ein Problem hinsichtlich der Arbeitsintensität konnte bereits in der Forschung ausgemacht werden: die sog. Steuerung durch den Kunden. Die Erwerbstätigen wollen den Wünschen der Kunden nachkommen, die Arbeit schneller und besser erledigen. Das kann zu zusätzlichem Stress führen. Hier stellt sich eben die Frage – je nach Art der Tätigkeit – wie eine Durchschnittsleistung bei individuellen Kunden aussieht; wie sichergestellt wird, dass Fehlbeanspruchungen vermieden werden und eine nachhaltige Leistung mit Blick auf ein ganzes Arbeitsleben erbracht wird. Wie kann dies verbindlich werden, im Arbeits- und Gesundheitsschutz, im Management etc. als Standard gesetzt werden?
Insbesondere bei sozialer Arbeit, den „helfenden Berufen“ mischen sich hohe Arbeitsbelastung mit einem besonders hohen persönlichen Engagement. Die Grenzen der Belastbarkeit in den verschiedenen Tätigkeiten und Branchen auszumachen, um entsprechende Maßnahmen abzuleiten und umzusetzen, und damit die Arbeitsintensivierung einzudämmen, ist eine große Herausforderung für die Gute Arbeit, aber auch für gute Servicequalität und Innovationsfähigkeit.

Hierbei können Autonomie und Beteiligung in der Arbeit unterstützen. Die Herausforderung bei Interaktionsarbeit besteht darin, auch die Bedürfnisse von Kunden und Klienten zu berücksichtigen und in den Arbeitsprozess einzubeziehen. Für eine verbesserte Arbeits- wie auch Innovationsqualität sind die Sicht und Interessen der Erwerbstätigen aufzunehmen und positive Leitbilder zu entwickeln.

Dies sind nur einige Herausforderungen, die weitere Forschung nötig machen. Zuguterletzt wurde diskutiert, durch welche Maßnahmen und Strukturen ein praxistauglicher Transfer der Projektergebnisse ermöglicht werden kann.

Mehr Informationen wie das Programm der Veranstaltung sowie die Präsentationen der Referent_innen gibt es hier.
Hinweis: Die nächste Veranstaltung zu Interaktionsarbeit findet am 14. September 2018 wieder in Berlin statt.

Aspekte Forschungsförderung (c) Tagung Interaktionsarbeit
Aspekte Forschungsförderung 2 (c) Tagung Interaktionsarbeit