Cloud und Crowd

Dokumentation der ersten Transferkonferenz des Verbundprojektes …

Dokumentation der ersten Transferkonferenz des Verbundprojektes „Herausforderung Cloud und Crowd“

Rund 200 Vertreter/innen von Unternehmen und Gewerkschaften, Betriebsräten und Wissenschaftler/innen kamen zur ersten Transferkonferenz des Verbundprojekts „Herausforderung Cloud und Crowd“ am 21.03.2017 in München zusammen.

Wie verändern sich Geschäftsmodelle und Innovationsstrategien in Zuge von Cloud und Crowd? Mit dieser Frage befasste sich Eva Zauke von SAP. Sie argumentierte, dass nicht nur neue Akteure auf dem Markt entstehen, sondern sich auch die alten Konzerne heute neu erfinden müssen. Viele alte Industrieunternehmen wandeln sich zu Dienstleistern, wie Autohersteller, die Mobilität verkaufen, oder das Beispiel des Bohrmaschinenherstellers HILTI, der nun Bohrlöcher als Service verkauft. Aus Unternehmensperspektive stellt sich dann auch die Frage, welche Kernkompetenzen in Zukunft überhaupt noch im Unternehmen verbleiben. Diese könnten sich auf Strategie, Prozesse und Orchestrierung konzentrieren, hingegen sowohl die Cloud als Infrastruktur als auch die Arbeitsleistung der Mitarbeiter in Zukunft auslagern – im Fall der Mitarbeiter z.B. vermittelt über Online-Plattformen an die Crowd.

Während Eva Zauke die Cloud primär als eine Infrastruktur definierte, maß Andreas Boes vom ISF München in seinem Input der Cloud eine weitaus größere Bedeutung bei. Sie ist die neue Leitorientierung, der Kern des digitalen Umbruchs in Wirtschaft und Arbeit. Mit der Cloud entsteht eine neue Handlungsebene, die alles mit allem in Beziehung setzt – so Boes. Für die Organisation von Arbeit heißt dies, dass agile Methoden zunehmen, Plattformen sich zu Arbeitsräumen entwickeln, die Transparenz der Arbeitsschritte zur Prozessoptimierung und Verhaltenssteuerung an Bedeutung gewinnt und Unternehmen in Zukunft neben Festangestellte verstärkt Solo-Selbstständige und Crowdworker in die Arbeitsprozesse situativ einbinden.

Crowdsourcing und Crowdwork war auf der Konferenz Gegenstand mehrerer Werkstätten. Auch ver.di stellte in einer Werkstatt die Zwischenergebnisse aus ihrem Teilprojekt vor. So präsentierte Karl-Heinz Brandl von ver.di gemeinsam mit Hans Pongratz (Universität München) die vorläufigen Ergebnisse aus einer Online-Befragung von ver.di-Mitgliedern. Diese zeigt, dass die über Plattformen vermittelte Online-Arbeit (Crowdwork) in ganz unterschiedlichen Erwerbskonstellationen relevant ist, es sich meistens aber nur um einen Nebenverdienst handelt. Es findet eine Erwerbshybridisierung statt, in deren Rahmen Erwerbstätige unterschiedliche Auftrags- und Beschäftigungsbeziehungen kombinieren. Befragt nach ihren Erfahrungen auf den Plattformen wurde deutlich, dass die Unzufriedenheit hoch ist und ein großer Gestaltungsbedarf besteht. Dies zeigt, dass das sozialstaatliche Modell zur Regulierung von Erwerbstätigkeit diese Formen nicht ausreichend abdeckt und entsprechend weiterentwickelt werden muss.

Ein weiterer Schwerpunkt von ver.di im Rahmen des Projekts Cloud und Crowd ist der Wandel der Kundenschnittstelle. Sarah Bormann von ver.di stellte in einer weiteren Werkstatt vor, welche Herausforderungen sich für Arbeit aufgrund der digitalen Transformation ergeben. In der Werkstatt ging es neben einer Einschätzung darüber, wie sich der Kundenservice verändert und welche Rolle in Zukunft der Mensch spielen wird, vor allem auch um bestehende Gestaltungsmöglichkeiten. Das Zukunftsprojekt des Gesamtbetriebsrats der Deutschen Telekom Kundenservice P.A.K.T. 2020 ist ein Beispiel dafür, wie auf der betrieblichen Ebene proaktiv und beteiligungsorientiert konkrete Lösungsvorschläge zur Gestaltung der Digitalisierung entwickelt werden. Um den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten, müssen die Beschäftigten stärker einbezogen werden: Wichtig ist dabei nicht nur sie zu informieren, sondern auch ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu berücksichtigen sowie Weiterbildung zu fördern.

Auch auf dem Abschlusspodium lag der Fokus auf den Herausforderungen für die Arbeitswelt der Zukunft. Karl-Heinz Brandl appellierte dafür, drei Dinge zu berücksichtigen. Erstens bedarf es Sicherheit für die Menschen, um sich auf Neues einlassen und dieses ausprobieren zu können. Zweitens müssen die Beschäftigten in diesem Prozess beteiligt werden und drittens Wertschätzung erfahren.

Die Präsentationen zu den Vorträgen stehen hier zur Verfügung.

Die nächste Transferkonferenz des Verbundprojekts Herausforderung Cloud und Crowd findet am 25. April 2018 in Frankfurt am Main statt. Sie wird von der Universität Kassel in Kooperation mit ver.di und IG Metall organisiert.

 

Workshop Kundenschnittstelle (c) Workshop Kundenschnittstelle
Workshop Crowdwork (c) Workshop Crowdwork
Transferkonferenz Vorstellung (c) Transferkonferenz Vorstellung
Transferkonferenz Vorstellung (c) Transferkonferenz allgemein
Abschlusspodium (c) Abschlusspodium
Abschlusspodium (c) Abschlusspodium